Modul 3: DSGVO & Datenschutz bei KI

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Schwierigkeitsgrad: Rechtlich
Level: Mittel

Lernziele dieses Moduls

  • DSGVO-Grundlagen verstehen und anwenden
  • KI-spezifische Datenschutzrisiken erkennen
  • Rechtssicher mit KI-Tools umgehen
  • Vertragspflichten bei KI-Anbietern erfüllen

1. DSGVO-Grundlagen

Die 7 Schutzprinzipien

Die DSGVO basiert auf sieben fundamentalen Datenschutz-Prinzipien (Artikel 5 DSGVO):

Nr.PrinzipBedeutung
1RechtmäßigkeitVerarbeitung nur mit gültiger Rechtsgrundlage (z.B. Einwilligung)
2ZweckbindungDaten nur für vorher festgelegte, legitime Zwecke nutzen
3DatenminimierungNur wirklich notwendige Daten erheben und verarbeiten
4RichtigkeitDaten müssen korrekt und aktuell gehalten werden
5SpeicherbegrenzungNicht länger als nötig speichern; Löschfristen einhalten
6Integrität & VertraulichkeitSicherheit durch technische und organisatorische Maßnahmen
7RechenschaftspflichtEinhaltung dokumentieren und nachweisen können

Verstöße gegen diese Grundprinzipien können mit hohen Bußgeldern (bis 20 Mio. € oder 4% des Jahresumsatzes) sanktioniert werden.

Rechtsgrundlagen für KI-Nutzung

Art. 6 DSGVO – zulässige Verarbeitung: Für jede Verarbeitung personenbezogener Daten – auch durch KI-Systeme – muss eine der gesetzlichen Rechtsgrundlagen vorliegen.

RechtsgrundlageArt. 6Beispiel
EinwilligungAbs. 1 lit. aFreiwillige Zustimmung für Marketingzwecke
VertragserfüllungAbs. 1 lit. bVerarbeitung zur Erfüllung von Kundenverträgen
Berechtigtes InteresseAbs. 1 lit. fOptimierung interner Prozesse (nach Interessenabwägung)
Rechtliche VerpflichtungAbs. 1 lit. cErfüllung gesetzlicher Pflichten (Steuern, Buchhaltung)

2. KI-spezifische Risiken

2.1 Datenweitergabe an Dritte

Das Problem: Wenn Sie Daten in öffentliche KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder andere Cloud-KI-Systeme eingeben, verlassen diese Daten Ihre Kontrolle.

RisikoBeschreibung
Datenübertragung ins AuslandDaten werden auf Servern außerhalb der EU verarbeitet. Ohne DSGVO-konformen AVV bedeutet das Transfer in ein unsicheres Drittland
Nutzung für KI-TrainingAnbieter behalten sich vor, Benutzereingaben für Modelltraining zu verwenden. Ihre Daten könnten in Antworten an andere Nutzer wieder auftauchen
Fehlende LöschfristenUnklar, wie lange Anbieter Eingaben speichern. Recht auf Vergessenwerden kaum durchsetzbar
Keine Kontrolle über Sub-AuftragsverarbeiterKeine Transparenz, welche Drittanbieter eingeschaltet werden

2.2 Transparenzpflicht

Art. 13–14 DSGVO – Informationspflichten: Betroffene Personen müssen umfassend informiert werden, wenn ihre personenbezogenen Daten verarbeitet werden.

InformationWas zu kommunizieren ist
Wer verarbeitet die Daten?Identität des Verantwortlichen und ggf. Auftragsverarbeiters
Zu welchem Zweck?Zwecke der KI-Nutzung
Welches System wird eingesetzt?Hinweis, dass es sich um eine KI handelt (ggf. Name/Typ)
Automatisierte Entscheidungen?Ob automatisierte Entscheidungsfindung oder Profiling stattfindet

Praxis-Beispiel:

Wenn Sie einen KI-Chatbot im Kundenservice einsetzen, müssen Sie Kunden klar darauf hinweisen, dass sie mit einer KI (und nicht mit einer menschlichen Person) kommunizieren.

2.3 Automatisierte Entscheidungen

Art. 22 DSGVO – Rechte bei Automation: Betroffene haben das Recht, nicht einer ausschließlich automatisierten Entscheidung unterworfen zu werden, die ihnen gegenüber rechtliche Wirkung entfaltet oder sie erheblich beeinträchtigt.

SzenarioRisiko
Kreditvergabe durch KIAlgorithmus lehnt vollautomatisch einen Kreditantrag ab
EinstellungsentscheidungenKI filtert Bewerbungen ohne Personaler
MitarbeiterbewertungKI-Systeme beurteilen Mitarbeiter ausschließlich datengetrieben

Solche Entscheidungen sind laut DSGVO grundsätzlich unzulässig, es sei denn es greift eine Ausnahme (Vertragserfüllung, ausdrückliche Einwilligung, gesetzliche Erlaubnis).

Lösung in der Praxis: Bei wichtigen Entscheidungen immer einen Human-in-the-Loop vorsehen. Die KI liefert eine Vorentscheidung oder Empfehlung – die finale Entscheidung trifft aber ein Mensch.

3. Rechtssicherer Umgang mit KI-Tools

3.1 Datenschutz-Freigabe erstellen

Bevor Sie ein KI-Tool im Unternehmen einsetzen, sollten Sie eine Datenschutz-Freigabe durchführen.

Checkliste für KI-Tools:

  • Welche Daten werden verarbeitet?
  • Handelt es sich um personenbezogene Daten?
  • Sind darunter sensible Daten (z.B. Gesundheit, Religion)?
  • Wo werden die Daten verarbeitet (Speicherort, Cloud-Region)?
  • Gibt es einen AV-Vertrag (Art. 28 DSGVO) mit dem Anbieter?
  • Ist die Rechtsgrundlage geklärt (Art. 6 / 9 DSGVO)?
  • Wurden die Betroffenen informiert (Art. 13 DSGVO)?
  • Ist die Verarbeitungstätigkeit im Verzeichnis dokumentiert?
  • Muss eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DPIA) durchgeführt werden?

3.2 KI-Tools bewerten (Risikoanalyse)

RisikoklasseBeispieleMaßnahmen
GeringAnalyse öffentlich verfügbarer DatenStandard-AVV abschließen
MittelVerarbeitung von Kundendaten zu AnalysezweckenStrengere AVV-Klauseln, ggf. Pseudonymisierung
HochVerarbeitung sensibler Daten (Gesundheit)DPIA durchführen, spezielle sichere KI-Lösungen

3.3 Konkrete Maßnahmen

❌ Was Sie NICHT tun sollten

  • Keine personenbezogenen Daten eingeben! Weder Kunden-E-Mails, noch Namen, Adressen oder Telefonnummern
  • Keine Geschäftsgeheimnisse eingeben – Strategiedokumente, Quellcode, Preiskalkulationen könnten im KI-Modell landen
  • Bei kostenlosen Tools gilt: "Ist es gratis, bezahlt man mit den Daten"

✅ Was Sie stattdessen tun

  • Nutzen Sie Business-/Enterprise-Tarife mit Datenschutzoptionen
  • Stellen Sie Opt-out fürs KI-Training ein
  • Prüfen Sie Löschfristen oder manuelle Löschung von Konversationsdaten

Das Wichtigste auf einen Blick

BereichKernpunkte
7 DSGVO-PrinzipienRechtmäßigkeit, Zweckbindung, Datenminimierung, Richtigkeit, Speicherbegrenzung, Integrität, Rechenschaft
RechtsgrundlagenEinwilligung, Vertragserfüllung, berechtigtes Interesse, rechtliche Verpflichtung
KI-spezifische RisikenDatenweitergabe ins Ausland, Training mit Kundendaten, fehlende Löschfristen
TransparenzBetroffene müssen über KI-Einsatz informiert werden
Automatisierte EntscheidungenGrundsätzlich unzulässig ohne menschliches Eingreifen
Sicherer UmgangKeine personenbezogenen Daten in öffentliche KIs, Business-Tarife nutzen

Nächste Schritte für Ihr Unternehmen:

  1. Checkliste durchgehen für jedes geplante KI-Tool
  2. Risikoklasse bestimmen (gering/mittel/hoch)
  3. AV-Vertrag prüfen oder abschließen
  4. Betroffene informieren über KI-Einsatz
  5. Human-in-the-Loop bei wichtigen Entscheidungen

Merke: Datenschutz bei KI ist kein Showstopper, sondern ein Qualitätsmerkmal. Wer früh die richtigen Maßnahmen ergreift, spart sich später Probleme und Bußgelder.

Nächstes Modul: Sicherheit & Ethische Aspekte von KI-Systemen